Typisch Helene 28: Im Kopf, Wassersportorte, Tierbiographie (29. Juni 2012)


Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, guten Tag und herzlich willkommen zur Sendung "Typisch Helene". Wir haben heute den 29. Juni und ja, heute kann ich Ihnen den Gewinner unserer Verlosung zu meiner 50. Sendung bekannt geben. Sie erinnern sich? Die Frage lautete: Welchen Beruf hat Helene in "Typisch Helene"? Die richtige Antwort ist: Journalistin. Und - gewonnen hat: Philippe Ducry von Corcelles in Payerne im Kanton Waadt! Herzliche Gratulation, Philippe! Ich hoffe, Sie werden den Korb mit dem feinen Inhalt so lange wie möglich geniessen können! Ich danke Ihnen alle fürs Mitmachen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Es ist schön, ein so aufmerksames Publikum zu haben! Jetzt aber tauchen wir in unsere 55. Sendung ein; ich habe folgende Themen für Sie bereit: Als erstes erzähle ich Ihnen, was mir zur Zeit durch den Kopf geht. Danach verrate ich Ihnen, wo man in der Schweiz so richtig aufregend Wassersport treiben kann - und zum Schluss beschreibe ich Ihnen noch einen dramatischen Lebensweg: Die Biografie eines Parasiten, die Biografie des kleinen Leberegels [1].



Schwirren [2] Ihnen die Gedanken auch manchmal im Kopf herum, liebe Zuhörer? Haben Sie auch manchmal das Gefühl, Sie hätten in Ihrem Kopf Maschinen, die ununterbrochen brummen, knirschen und ächzen [3] - und Sie kaum eine Sekunde in Ruhe lassen? Mir geht es sehr oft so und im Moment ist es besonders schlimm: Ich lese nämlich gerade das Buch "The unfinished Revolution " [4], die unbeendete Revolution. Darin geht es um die Tatsache, dass Frauen und Mädchen in sehr vielen Ländern noch immer weniger Rechte haben als Männer. Sie werden diskriminiert und zum Teil grausam behandelt.
 So werden Frauen zum Bespiel im Irak von religiösen Extremisten gefoltert [5] und getötet, nur weil sie Frauen sind. Und weder die Polizei noch das Militär bemühen sich darum, die Verbrecher zu verfolgen. Es ist ihnen egal. In Afghanistan werden Mädchenschulen niedergebrannt und Politikerinnen mit dem Tod bedroht. Im Kongo werden noch immer Tausende von Frauen und selbst sehr junge Mädchen von Rebellen und Soldaten vergewaltigt [6]. Und noch immer werden Mädchen in vielen afrikanischen Ländern an ihren Geschlechtsteilen beschnitten, weil man dadurch die Sexualität der Frauen kontrollieren will. Frauen werden entführt [7], verkauft und zu Sexsklavinnen gemacht. Auch in europäischen Ländern ist Gewalt an Frauen an der Tagesordnung [8]: Auch hier werden Frauen in die Prostitution gezwungen, auch hier kommt hinter der Fassade bürgerlichen Wohlstands häusliche Gewalt häufig vor, auch hier wird Gewalt an Frauen weniger ernst genommen als Gewalt an Männern. Natürlich - es gibt viele Organisationen auf der ganzen Welt, die dafür kämpfen, dass Gewalt an Frauen als Verbrechen gilt, und dass es Gesetze gibt, die solche Taten kriminalisieren. Aber - haben alle diese Bemühungen tatsächlich etwas geändert? "Nein, nicht wirklich", schreiben die Autorinnen des Buches. Denn noch immer sind Politiker zu wenig daran interessiert, Frauen und Männer gleichzustellen [9]. Noch immer werden Frauenrechte zu wenig als Menschenrechte definiert. Und noch immer haben gerade Männer nicht begriffen, dass Grausamkeiten gegen Frauen auch Grausamkeiten gegen die ganze Gesellschaft sind, und dass schlussendlich auch sie darunter leiden.  Und dass es oft sie, die Männer, sind, die die Macht haben, dies zu verändern. Was, also ist zu tun? Ich habe nur ein Rezept: Sich interessieren, lesen, sich informieren, hinsehen - und die Gedanken im Kopf eben so unruhig werden lassen, bis man nichts anderes tun kann, als die Stimme zu erheben - oder darüber zu schreiben - oder beides.

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Ja, liebe Zuhörer, wenn es um solche Themen geht, kann ich mich total in Rage [10] reden. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Ich habe oft den Eindruck, dass Menschen gerade hier, in der westlichen Welt gleichgültiger geworden sind. Oder besser gesagt: Je reicher eine Gesellschaft ist, und je weniger existentielle Probleme sie hat, desto eher konzentriert sie sich auf Äusserlichkeiten. Sie kümmert sich um Diäten, Kleider oder um das neuste iPhone, oder darum, welcher Club oder welche Automarke gerade "in" ist. Das hat nichts damit zu tun, dass man sich amüsieren und eine gute Zeit haben will. Das hat auch nichts damit zu tun, dass Frauen schön aussehen wollen. Selbst in den schlimmsten Kriegsgebieten schminken sich Frauen, ziehen sie sich schön an, gehen an Hochzeiten und an Feste. Nein, darum geht es nicht. Aber es geht darum, dass man gerade, weil man in einem Land lebt, in dem weder Hungersnot noch Krieg herrschen, aufmerksam sein soll für das, was ausserhalb der eigenen Komfortzone passiert. Und eben - ab und zu mal die Stimme erhebt.
 So, jetzt wechseln wir aber blitzschnell zu unserem zweiten Thema. Denn es wird Zeit, dass wir endlich in den Sommer eintauchen.  Und zwar geht es  um die aufregendsten Wassersportorte in der Schweiz. Und um Ihnen spannende Tipps geben zu können, habe ich dafür extra unsere Reiseredaktorin Stefanie befragt. Fahren Sie gerne Wasserski? Dann reisen Sie nach Estavayer-le-Lac am Neuenburgersee: Hier finden Sie nicht nur das wahrscheinlich am besten ausgerüstete Wassersportzentrum der Schweiz, sondern auch den einzigen Wasserskilift des Landes. Stellen Sie sich vor: Ein Lift, der wie ein Skilift funktioniert. Das ist doch super, oder? Und vor allem: Den können sogar Kinder ab 10 Jahren benützen. Wer ein besonderes Abenteuer will, der probiert mal Hydrospeed im Vorderrhein: Hydrospeed ist eine Sportart, bei der man auf dem Bauch auf einer Minifloss [11] liegt, das auch eine Art Luftmatratze ist, und sucht den Weg durch die Stromschnellen, durch das wilde Wasser der berühmten Rheinschlucht. Ein bisschen langsamer geht es auf dem Ägerisee im Kanton Zug zu und her. Der türkisblaue See, an dessen Ufer 1315 die Schlacht vom Morgarten stattfand, ist nicht nur wegen seiner idyllischen Landschaft ein guter Ort zum Segeln. Hier gibt es auch genug Wind. Ha, und jetzt gibt's wieder etwas für Abenteurer: Canyoning in der Massaschlucht im Wallis: Stellen Sie sich vor: Hier finden Sie eine fantastische Felslandschaft, die man mit Neoprenanzug [12], Helm und Klettergurt erkundet. Der Höhepunkt ist dabei der 8-Meter-Sprung in ein Wasserbecken. Zum Schluss hat Stefanie noch folgenden Tipp für Sie bereit: Wie wäre es, wenn Sie mal Kitesurfen auf dem Silvaplanersee probieren? Kitesurfen ist ein bisschen wie Surfen, Snowboarden und Fliegen. Dank dem Wind, der hier bläst, ist dieser See eines der besten Reviere, um Kiten zu lernen. Ja, dann sag ich nur: Auf geht's! Und falls Sie mehr Informationen zu den einzelnen Angeboten wünschen, schreiben Sie mir. 

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Und jetzt, liebe Zuhörer, habe ich noch eine ganz spezielle Geschichte für Sie: Eine Tierbiografie. Und zwar die Biografie des kleinen Leberegels. Ein Egel ist ein Parasit, ein Saugwurm, und die haben oft ziemlich ungewöhnliche Lebensläufe.
 Parasiten brauchen nämlich nicht selten zwei oder drei Zwischenwirte, also andere Tiere, um sich entwickeln zu können. Und um von einen zum anderen zu gelangen, manipulieren die Parasiten die Gehirne dieser Tiere. Eine perfide Sache.
Der kleine Leberegel zum Beispiel, lebt zuerst als Ei in einer Schnecke. Danach versteckt er sich in einem Bällchen aus Schleim und lässt sich von Ameisen fressen, um sich dann sofort an deren Nervensystem zu schaffen machen. Die befallenen [13] Ameisen bekommen starke Krämpfe und sind wie ferngesteuert [14]. Sie klettern dann nachts, wenn die Temperaturen unter 15 Grad fallen, auf die Spitzen von Grashalmen [15] und klammern sich dort oben fest. Und das alles tut der kleine Leberegel nur, damit er endlich in seinen Endwirt [16] kommt, der die Grashalme frisst. Und dieses Tier ist häufig - ein Schaf. Hätten Sie das gedacht? Ein Parasit muss zuerst in eine Schnecke und dann in eine Ameise gelangen, um in sein Schaf zu kommen. Ein unglaublicher Lebensweg, nicht wahr? Er ist nicht nur abenteuerlich, sondern zeigt auch, wie viel Raffinesse gerade in winzigen Lebewesen steckt. Dort, wo man es nicht erwartet hätte.


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Und mit dem kleinen Leberegel sind wir ans Ende unsere Sendung gelangt, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich hoffe, Sie schalten am 13. Juli wieder bei "Typisch Helene" auf www.podclub.ch ein. Das ist die letzte Sendung vor der Sommerpause. Und dann erzähle ich Ihnen, wohin die Schweizer am liebsten in die Ferien fahren. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine super Zeit. Geniessen Sie die Sommertage! Auf Wiederhören!




[1] der kleine Leberegel: ein Parasit, Saugwurm
[2] schwirren: schnell fliegen
[3] ächzen: stöhnen
[4] "The unfinished Revolution": dieses Buch besteht aus Berichte von verschiedenen Autorinnen
[5] foltern: quälen
[6] vergewaltigen: zum Geschlechtsverkehr gezwungen
[7] entführen: kidnappen
[8] an der Tagesordnung sein: normal sein
[9] gleichstellen: gleiche Rechte geben
[10] die Rage: Wut
[11] das Minifloss: zusammengebundene Holzstämme, die schwimmen
[12] der Neoprenanzug: Anzug für Taucher
[13] befallen: krank
[14] ferngesteuert: aus der Ferne gesteuert, nicht selbstständig
[15] der Grashalm: ein hohes Gras
[16] der Endwirt: das letzte Tier im Lebenszyklus eines Parasiten

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l'irlandais 01-08-2012 23:13
Ich habe noch ein Tipp für diesen Sommer : Der Wickelfisch http://www.tiloahmels.ch/wickelfisch.php