Typisch Helene 56: Morgens auf dem Balkon, Ferienziele, SMS (13. Juli 2012)


Guten Tag, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zur Sendung "Typisch Helene". Heute haben wir den 13. Juli; und es ist erst noch Freitag der 13. Uff, der Freitag, der 13. ist ja eigentlich ein Unglückstag, sagt man, ein Tag, an dem alles schief geht, an dem man sich über tausend Dinge ärgert. Es gibt sogar Horror-Filme, die den Titel "Freitag, der 13." haben. Für mich ist der Freitag, der 13. aber fast immer ein Glückstag gewesen. An diesem Tag hatte ich zum Beispiel meine mündliche Französischprüfung an der Matura [1], die zu meiner grossen Erleichterung sehr gut ging, und oft hatte ich an diesen Freitagen auch schwierige Sitzungen oder Abgabetermine. Und immer ist alles gut gegangen. Also, wird auch dieser Tag ein wunderschöner Tag werden. Und zur Feier dieses Freitags, den 13. reden wir heute über den Zauber meines Balkons, danach verrate ich Ihnen, wohin die Schweizer am liebsten in die Sommerferien fahren; und zum Schluss geht es noch um die Frage: "Soll man die SMS seines Partners lesen oder nicht?" 



Ich habe meinen Balkon ja immer gemocht, liebe Zuhörer. Er ist etwa eineinhalb Meter breit und drei Meter lang. Es ist ein sehr schöner Balkon. Es gibt Platz für einen kleinen Tisch und zwei Stühle, und wenn ich im Sommer Besuch habe, serviere ich dort oft den Apéritif [2].
 Es ist dann zwar ein bisschen eng, aber dafür umso gemütlicher. Dass mein Balkon aber ein abenteuerlicher Dschungel ist, ein wahrer Zaubergarten mit ganz viele Büschen, Blumen und Tieren, das habe ich erst entdeckt, seit meine kleine Nichte [3] Mia-Sophia ab und zu mal bei mir in Zürich übernachtet [4]. Ich habe Ihnen schon einige Male von Mia erzählt, nicht wahr? Sie ist inzwischen 19 Monate alt, rennt herum wie ein Wirbelwind [5] und liebt es, meine Wohnung immer wieder von neuem zu entdecken. Eines Tages sind wir früh morgens auf den Balkon gegangen. Es hatte die ganze Nacht geregnet, auf den Blättern der Bäume und Büsche hingen noch dicke Regentropfen, die Luft roch nach Blüten und nassem Asphalt. Mia sass auf meinem Arm und wirkte ganz verzaubert. Wir gingen ganz nahe an einen Busch heran und schauten uns einen Regentropfen an. Er sass wie eine winzige Kugel auf seinem Blatt und zitterte leicht im Morgenwind. Mia stiess ihn mit dem Finger an und lachte laut, als er platzte, und das Wasser ihr über die kleine Hand rann. Und dann plötzlich flatterte [6] eine grosse, schwarze Krähe [7] ganz nah an uns vorbei. Sie machte einen grossen Bogen, krächzte [8] laut und landete auf einer Tanne. Mia streckte sich auf meinem Arm, zeigte aufgeregt auf den Vogel und sagte: "Kra, kra, kra!" Wir folgten der Krähe mit unseren Augen und  fragten uns, was sie nun wohl tun würde. Würde sie sich mit ihren Krähenfreundinnen treffen? Hatte sie heute wohl viel zu tun? Was machte sie wohl auf dem Baum?

Und gerade, als sich die Krähe aufmachte, wieder von ihrem Baum fortzufliegen, entdeckte Mia eine grosse Spinne, die eben daran war, zwischen zwei Stühlen ihr Netz zu spinnen. "Wow!", sagte Mia und zog mich nahe an die Spinne heran. Sie fürchtete sich [9] ein bisschen vor der Spinne, war gleichzeitig aber sehr fasziniert. Wir schauten uns ihre behaarten Beine an, studierten, wie sie ihr Netz baute, wie sie schnell zwischen den Stühlen hin- und her kletterte und beobachteten, wie ihre Beute, ihr Frühstück, im Netz hängenblieb. Das war so spannend, dass wir die Zeit völlig vergessen haben. Wir haben sogar vergessen, dass wir selber extrem hungrig waren und uns schon längst ein Frühstücksei hätten kochen wollen. Sie sehen, so aufregend kann also ein ganz gewöhnlicher Balkon sein. Man muss es nur entdecken.

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Und nun kommen wir zu unserem zweiten Thema. Nun, liebe Zuhörer, erfahren Sie einige hochinteressante Details darüber, was junge Schweizerinnen und Schweizer in ihren Ferien so machen und wohin sie am liebsten reisen. Entdeckt habe ich diese Informationen vor kurzem in der Zeitung Blick am Abend. Es sind Resultate einer Umfrage, welche die Firma comparis.ch gemacht hat. Wie Sie vielleicht wissen, vergleicht comparis.ch Angebote von Versicherungen, Banken und Reiseveranstaltern und macht ab und zu auch Umfragen. Und die Umfrage zu den Ferien hat Folgendes ergeben: Junge Schweizer suchen in den Sommerferien vor allem eines: Freiheit und Entspannung. Konkret heisst das: Neun von zehn Befragten sagen, dass sie sich in den Sommerferien frei fühlen, entspannen und Zeit mit Freunden, Partnern oder mit der Familie verbringen wollen. Ähnlich hoch im Kurs steht [10] auch der Wunsch, Neues zu entdecken, die Natur zu erleben oder gut zu essen. Keine grosse Lust haben junge Schweizer hingegen auf aktive Tätigkeiten, auf Weiterbildung oder Sport. Auch Animationsprogramme im Hotel finden die wenigsten wichtig oder attraktiv. Die nerven eher. Erstaunlich ist vor allem auch, dass junge Schweizer nicht einmal besonders an Ferienflirts interessiert sind. Möglicherweise haben sie ganz einfach keine Zeit dafür. Die meisten verreisen im Sommer nämlich nur ein bis zwei Wochen  lang. Immerhin geben die jungen Leute dafür durchschnittlich 1100 Franken aus. Männer mögen es dabei gerne ein bisschen teuerer. Sie lasse sich die Ferienzeit 1200 Franken kosten. Frauen sind in dieser Hinsicht etwas sparsamer, sie geben gut 1000 Franken aus.

Ja, und auf die Frage, wo sie ihre Sommerferien am liebsten verbringen, sagen die jungen Schweizer: im eigenen Land. Die meisten bleiben also am liebsten in der Schweiz. An zweiter Stelle der beliebtesten Reiseziele steht Italien, gefolgt von Frankreich oder Spanien und Deutschland. Nur acht Prozent reisen in den Ferien ganz weit weg, zum Beispiel in die USA oder nach Kanada. Das erinnert mich an ein altes Sprichwort, das wir uns früher in unsere Poesiealben geschrieben haben. "Warum bloss in die Ferne schweifen [11], sieh, das Gute liegt so nah!" Ach, wie waren wir damals schon weise. Es hat sich seither also nicht viel geändert.

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So, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zu guter Letzt noch Folgendes: Es geht um eine ganz zentrale, ja, vielleicht sogar lebenswichtige Frage. Und die lautet: Darf man die SMS seines Partners oder seiner Partnerin lesen? Es ist nämlich so: Vor einigen Wochen haben sich Francine Jordi und Florian Ast, zwei prominente Schweizer Sänger, nach einem Drama getrennt. Er ist aus Los Angeles zurückgekommen und ist seither irgendwie nicht mehr so gewesen, wie früher. Da wurde sie natürlich misstrauisch. Und eines Nachts, als er schon tief schlief, nahm sie sein Handy und begann, seine SMS zu lesen. Eines nach dem anderen. Ja, und da fand sie heraus, dass er sich in Los Angeles in eine andere Frau verliebt hat und fremdgegangen [12] ist. Sie war am Boden zerstört [13] und warf ihn auf der Stelle aus dem Haus. Diese Geschichte war tagelang in allen Zeitungen in jedem erdenklichen Detail zu  lesen.

Und von ganz besonderem Interesse war dabei eben die Frage, ob man die SMS des Partners lesen darf, wenn man den Verdacht hat, dass er untreu ist, oder nicht. Lustigerweise scheint diese Frage ein internationales Problem zu sein. Denn ich habe sie schon in Ägypten, Schweden und sogar im Jemen diskutiert. Es ist also bei weitem keine Bagatelle [14]. Nun, liebe Zuhörer, wie denken Sie darüber? Haben Sie auch schon mal das Handy Ihres Partners in der Hand gehalten und gedacht: "Soll ich, soll ich nicht?" Es würde mich ja sehr interessieren, wie Sie in dieser Situation entscheiden würden. Ich finde, dass das Handy des Partners Privatsache ist. Es ist für mich genauso tabu, wie seine Emails oder seine Briefpost. Es würde mir auch nie in den Sinn kommen, fremde Briefe zu öffnen - oder eben, fremde SMS zu lesen. Ich glaube, das wäre mir einfach zu dumm - oder ich wäre zu stolz dazu. Aber eben, das sage ich heute. Morgen kann unter Umständen alles anders aussehen! Nicht, dass ich mir das wünsche. Aber man weiss ja nie.

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Und damit, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, sind wir ans Ende unserer 56. Sendung gelangt. Jetzt steht die Sommerpause vor der Tür. Wir hören uns wieder am 31. August, hier, auf www.podclub.ch. Ich wünsche Ihnen ganz schöne Ferien, wo immer Sie auch sind und was auch immer Sie tun. Geniessen Sie die Zeit und tragen Sie Sorge zu sich! Bis bald! Auf Wiederhören!




[1] die Matura: die Abschlussprüfung am Gymnasium
[2] der Apéritif: Drinks vor dem Essen
[3] die Nichte: Tochter der Schwester
[4] übernachten: die Nacht verbringen
[5] der Wirbelwind: starker Wind, Tornado
[6] flattern: fliegen
[7] die Krähe: grosser, schwarzer Vogel
[8] krächzen: Laute von Vögeln
[9] sich fürchten: Angst haben
[10] hoch im Kurs stehen: beliebt sein
[11] schweifen: hier: reisen
[12] fremdgehen: mit jemand anderem als seinem Partner sexuellen Kontakt haben
[13] am Boden zerstört sein: sehr traurig sein
[14] die Bagatelle: etwas Unwichtiges