Zu Gast bei Dagmar 4: Muttertag, Einkaufen im Ausland und Tipps für die Pfingsten (22.Mai 2009)


Hallo und guten Tag. Hier bin ich wieder: Ihre Dagmar aus Neuenburg. Heute ist der 22. Mai und ich begrüsse Sie herzlich zu meinem Podcast "Zu Gast bei Dagmar". Zuerst möchte ich mich bei Ihnen bedanken: für Ihre Kritik von langweilig bis cool und für Ihre Bewertungen.
Vergessen Sie nicht, mir auch zur heutigen Sendung zu schreiben. Und zwar unter www.podclub.ch. Übrigens, am 8. Mai habe ich ganz vergessen Sie daran zu erinnern, dass am 10. Mai Muttertag war. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Sie daran gedacht haben, nicht wahr? 


Von mir hören Sie deswegen heute zuerst eine kleine Geschichte über den Muttertag. Genauer gesagt über den Muttertag, wie er in meiner Familie gefeiert wird. Anschliessend fahren wir nach Frankreich zum Einkaufen und danach gebe ich Ihnen ein paar Tipps für die Pfingstfeiertage Ende Mai.

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Also, an jedem zweiten Sonntag im Mai wird beinahe auf der ganzen Welt Muttertag gefeiert.
Wir haben in meiner Familie diesen Tag nicht nur als Muttertag, sondern als Frauentag deklariert [1]. Da geht's dann jeweils nicht nur um die Mutter oder Grossmutter, auch Freundinnen, Cousinen und Tanten sind eingeladen. Sie müssen wissen, dass die Mitglieder meiner Familie in Deutschland, in England, in Frankreich und in der Schweiz leben. Wegen der grossen Distanzen [2] können wir uns nur selten sehen und darum feiern wir einen Familientag der ganz besonderen Art jeweils am Muttertag. Natürlich sind die Männer auch herzlich willkommen. Und die haben eine ganz besondere Aufgabe. Die älteren Männer, wie die Väter, Grossväter und die Onkel sorgen für den Haushalt. Sie müssen sich ein Menü ausdenken, den Tisch decken, servieren und auch wieder abräumen und danach die Küche sauber machen. Nicht ganz einfach, wie Sie sich vorstellen können. Die jungen Männer hingegen, die Söhne und Cousins gehen auf Fliederjagd. Ja, Sie haben richtig gehört. Flieder! Sie kennen diese wunderschönen Blumen in den Farben weiss und violett. Am Muttertag ist der Flieder leider bereits am Verblühen, sodass es schwer ist noch schöne Blüten zu finden. Oh, ich habe noch nicht erwähnt [3], dass der Flieder nicht gekauft sein darf. Die jungen Männer müssen also Nachbarn darum bitten, ob sie ein paar Zweige abschneiden dürfen oder sie müssen freistehende Fliederbäume suchen, von denen sie ein paar Zweige abbrechen. Sie können sich vorstellen, dass diese Suche, je nach Wetter und Jahreszeit, ziemlich lange dauern kann. Während dessen trinken die Damen im Garten einen Aperitif. Dazu muss ich Ihnen unbedingt erzählen, welche Bedeutung dieser Aperitif für uns hat.

Also, als ich noch ein junges Mädchen war, kamen am Muttertag jeweils die Tanten Wilhelmine und Ernestine aus Berlin angereist. Damals näherten sich die alten Damen bereits den 80 Jahren und sie sahen aus wie auf alten Photos. Können Sie sich das vorstellen? Die Tanten haben Hüte und Spitzenblusen getragen. Jedenfalls verlangten die Damen einen Aperitif in Form eines Cocktails. Damit hatte niemand gerechnet. Die Herren hatten ein Glas Weisswein vorgesehen, aber keinen Cocktail. Und alle schauten sich etwas hilflos an. So richtig wusste auch niemand, was ein Cocktail ist. Aber der Wunsch der Tanten war so gut wie ein Befehl. Ich selbst habe nur gewusst, dass ein Cocktail ein Mixgetränk ist, das aus vielen Zutaten in flüssiger Form besteht. Als mein Blick auf den Himbeersaft fiel, den ich mit Wasser vermischt trinken durfte, kam mir die rettende Idee. Kurz entschlossen habe ich eine grosse Karaffe [4] genommen und habe alles Flüssige, was rot war, dort hinein geschüttet: Himbeersaft, Kirschsaft, sehr viel Kirschlikör und viel Wasser. Leider durfte ich diese Kreation [5] damals noch nicht selbst versuchen. Aber seit diesem Muttertag gibt es immer den "roten Cocktail" - alleine schon im Gedenken [6] an die beiden Tanten aus Berlin.
In diesem Jahr war es genauso. Wir hatten herrliches Wetter und konnten unseren Familientag so richtig geniessen. Erst am späten Abend fing es an zu regnen. Allerdings hatten auf der Jagd [7] nach dem Flieder nicht alle gleichviel Glück. Mein Sohn zum Beispiel fand nur ein paar kleine Blüten und überreichte sie mir in seinem Motorrad-Helm.

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Kennen Sie Pontarlier, die kleine, mittelalterliche Stadt im französischen Jura? Wenn Sie, wie ich, nur ungefähr 50 Kilometer von der französischen Grenze entfernt wohnen, würden Sie sicher einmal dorthin fahren. Ich tue dies aus zwei Gründen. Erstens, weil ich gern im grossen Supermarkt einkaufe und zweitens, weil ich dort meine Post und Pakete für meine französische Verwandtschaft aufgebe. Für den Versand von ein paar Büchern von der Schweiz nach Frankreich müssten Sie in der Schweiz ungefähr CHF 35.- bezahlen, in Frankreich hingegen kostet das Paket nur 6 bis 8 Euro und ist bereits innerhalb von zwei Tagen bei dem Empfänger.

Aber nun zum Einkaufen. Warum mir das in Pontarlier so gut gefällt? Ganz einfach, die Auswahl dort ist nicht nur enorm gross, sondern die Geschäfte sind auch von 8h30 vormittags bis 20h30 abends geöffnet. Wenn Sie berufstätig [8] sind und zum Beispiel am Abend um 18h30 nach Hause kommen, sind die Geschäfte in der Schweiz geschlossen. Von Neuenburg aus fahre ich in 50 Minuten nach Pontarlier und finde im Supermarkt Géant Casino alles vor, was man im Haushalt so braucht. Falls Sie zum ersten Mal dorthin fahren, müssen Sie sich aber viel Zeit nehmen. Das Sortiment [9] ist riesig. Spezialitäten [10] aus vielen Ländern erwarten Sie. Vor allem bei den Lebensmitteln werden Sie Sachen entdecken, die Sie so nur aus den Ferien kennen. Dort können Sie wunderbare Käse- und Fischsorten sowie alle Arten von Saucen, Gebäck und Getränken kaufen. Ich beneide die Franzosen um diese Möglichkeiten. Man kommt sich vor wie im Schlaraffenland [11]. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass seit der Einführung des Euro alles teurer geworden ist, so sind die Lebensmittel immer noch günstiger als in der Schweiz. Und was ich auch noch wichtig finde: die Damen an der Kasse sind sehr freundlich und hilfsbereit. Pontarlier liegt übrigens auf einer Höhe von mehr als 800 Metern und ist auch für den Wintersport bekannt. Also, fahren Sie nicht im Winter durch den Jura, denn dort beginnt der Winter sehr früh und endet sehr spät. Ach, bevor ich es vergesse, Sie werden an verschiedenen Stellen in der Stadt einem Schild begegnen, auf dem steht: "Berceau de l'Absinthe". Was das heisst? Nun, Pontarlier ist die "Wiege des Absinth", des alkoholischen Getränks, das viele Jahre in der Schweiz verboten war.

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Goldgelbe Felder, tiefblaue Himmel, flammende Zypressen! Sagt Ihnen das etwas? Sie haben es bestimmt schon gemerkt. Wir kommen jetzt zu meinem Tipp für das kommende Wochenende oder die Pfingstfeiertage. Falls Sie keine längere Reise vorgesehen haben,
planen Sie doch einen Besuch im Museum [12]. Am vergangenen Samstag hatte ich Lust etwas zu unternehmen und möchte Ihnen gerne davon erzählen. Manchmal braucht man einfach schöne Dinge um sich. Geht es Ihnen auch so?  Wie wäre es mit einer Fahrt nach Basel? Nehmen Sie am besten den Zug, dann haben Sie keinen Ärger mit der Suche nach einem Parkplatz und können Ihren Ausflug so richtig geniessen [13]. Im Kunstmuseum Basel findet bis zum 27. September das Kunstereignis des Jahres statt: die spektakuläre [14] Gesamtschau der Bilder von Vincent van Gogh. Weizenfelder ohne Ende, knorrige Bäume, grüne Weinberge, rot leuchtende Sonnenschirme. 70 Gemälde sind zu bewundern und werden Sie begeistern [15]. Die Ausstellung heisst übrigens "Zwischen Erde und Himmel". Die Landschaften, in denen van Gogh lebte, haben seine Malerei geprägt. Er liebte besonders das Licht der Provence in Südfrankreich. Entstanden sind expressive [16] Gemälde, die farbenfroh sind und leuchten. Wie Sie sicher wissen, war der Künstler sehr depressiv. Sie kennen sein Selbstbildnis mit dem abgeschnittenen Ohr. Leider wurde dieser grosse Maler nur 37 Jahre alt. Und wenn Sie Ruhe brauchen für die Augen - oder weil einfach so viele Menschen dort sind - es gibt in den Räumen auch Orte der Stille. Und wenn die Eindrücke zu viel werden, gehen Sie raus in den Park zum Bummeln, zum Nachdenken und um frische Luft zu tanken. Ich jedenfalls hatte Hunger und Durst und bin nach den vielen Eindrücken in ein Restaurant gegangen. Und dann passierte etwas, was ich Ihnen unbedingt erzählen muss.
 
Nachdem ich das Restaurant verlassen hatte, bin ich spazieren gegangen. Plötzlich kamen zwei grosse, schwarze Raben heran geflogen und gingen zu Fuss mit mir weiter. Der eine spazierte neben mir, der andere hinter mir. Ich fand das ziemlich ungewöhnlich [17] und lustig, bis mir das Lachen verging. Der Rabe neben mir meinte wohl, ich hätte etwas zu fressen für ihn und krächzte mich an. Der Rabe hinter mir fiel in das Geschrei ein und kam immer näher an meine Füsse. Ich konnte mich kaum mehr vorwärts bewegen und musste stehen bleiben. Und dann plötzlich bissen und hackten mir die zwei Raben mit ihren spitzen Schnäbeln in die Füsse. Haben Sie so etwas schon mal gehört? Das tat sogar ziemlich weh und ich wusste nicht, was ich machen sollte, bis einige andere Spaziergänger [18] kamen, die Raben verscheuchten und mich aus dieser Notlage19 befreiten.

Ist Ihnen so etwas schon mal passiert? Dann schreiben Sie mir doch darüber auf unserer Webseite. Auch sonst freue ich mich auf Ihre Bemerkungen unter www.podclub.ch. Beim nächsten Mal, in 14 Tagen, gibt es wieder etwas Aktuelles aber auch etwas Alltägliches.
Bis dann grüsst Sie, wo immer Sie auch sind, Ihre Dagmar.




[1] deklariert: benennen, bezeichnen
[2] die Distanz: die Entfernung
[3] erwähnen: beiläufig benennen
[4] die Karaffe: die Kanne
[5] die Kreation: die Schöpfung, die Schaffung, die Fabrikation
[6] das Gedenken: das Andenken, die Erinnerung
[7] die Jagd: die Verfolgung, die Suche
[8] berufstätig: arbeiten
[9] das Sortiment: das Angebot
[10] die Spezialität: die Delikatesse
[11] das Schlaraffenland: ein Ort im Märchen, wo man gut isst und trinkt
[12] das Museum: die Kunstgalerie
[13] geniessen: sich erfreuen, gefallen
[14] spektakulär: aussergewöhnlich, einzigartig
[15] begeistern: faszinieren, entzücken
[16] expressiv: ausdrucksvoll
[17] ungewöhnlich: fremd, eigenartig
[18] der Spaziergänger: der Wanderer
[19] die Notlage: das Unglück, das Pech

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MARTINEZ 27-05-2009 20:24
Hallo Dagmar, Viel en Dank für den Tipp. Basel ist eine sehr schöne Stadt und das Werk von V. van Gogh ist sehr interessant. Bis dem nächsten mal. Caro