Zu Gast bei Dagmar 6: Ein Bahnhof, ein Ausflug in den Jura und eine Sternstunde (19. Juni 2009)


Hallo und guten Tag. Hier bin ich wieder: Ihre Dagmar aus Neuenburg. Heute ist der 19. Juni und ich begrüsse Sie herzlich zu meinem Podcast "Zu Gast bei Dagmar". Ich habe gestern einmal auf unserer Webseite nachgeschaut, genauer gesagt unter www.podclub.ch, um zu sehen ob Sie mir fleissig geschrieben haben. Hmmm, ehrlich gesagt, ich bin etwas enttäuscht. Die Kommentare waren nicht sehr zahlreich. Deswegen möchte ich Sie fragen ob Sie schon in den Ferien sind oder ob Sie einfach wenig Zeit haben? Sie können mir auch gerne von Ihrem Arbeitsalltag erzählen und wie Sie zur Arbeit fahren. Nehmen Sie den Zug, das Auto, die Strassenbahn oder das Fahrrad? Es würde mich aber auch freuen, wenn Sie mir erzählen, wie Sie Ihre Freizeit [1] bei dem schönen Wetter verbringen.


Darüber hören Sie später etwas von mir und anschliessend gibt es wieder eine kleine Sternstunde. Aber zuerst kommt eine kleine Geschichte aus meinem Arbeitsalltag. Sie wissen ja, ich wohne in Neuenburg und alle 14 Tage fahre ich nach Zürich um die Geschichten, die Sie von mir hören, im Tonstudio aufzunehmen. Von meiner letzten Fahrt vor zwei Wochen von Neuenburg nach Zürich berichte ich Ihnen jetzt.

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Um nach Zürich zu fahren, nehme ich den Zug. Denn Zugfahren in der Schweiz ist einfach toll. Sie haben sicher schon bemerkt, dass Sie mit dem Zug schneller sind als mit dem Auto, nicht wahr? Mit dem Auto brauche ich zwei Stunden von Neuenburg nach Zürich. Dann muss ich ein Parkhaus suchen, das sehr teuer ist; danach geht es zu Fuss oder mit der Strassenbahn weiter. Wenn ich Glück habe und es keine Staus [2] gibt auf der Autobahn, dann benötige ich doch 2,5 Stunden. Mit dem Zug hingegen habe ich nur 1,5 Stunden, komme direkt in der Stadtmitte an und bin 10 Minuten später mit der Strassenbahn im Studio. Kein Stress, keine Hetzerei [3]. Also, vor zwei Wochen habe ich, wie immer, den Zug von Neuenburg nach Zürich genommen. Mein Termin im Studio war für 14 Uhr geplant. In Zürich angekommen bin ich aber um 13 Uhr, sodass ich eine Stunde Zeit zur Verfügung hatte. Was macht man in einer Stunde am Bahnhof in Zürich? Da lohnt es sich nicht, in die Stadt zu gehen und zu bummeln. Also habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, mir diesen grossen Bahnhof einmal näher anzuschauen. Sie steigen also aus dem Zug aus und das erste, was Ihnen auffällt, sind die vielen Menschen. Die gehen, laufen, rennen von links nach rechts, kommen Ihnen entgegen, alle sind in Eile und wollen doch irgendwohin. Dann bahnen Sie sich einen Weg durch die Menge und kommen endlich in der grossen Halle an. Dort müssen Sie sofort nach oben schauen und Sie sehen eine riesige, blau-goldene Figur an der Decke hängen. Das ist der Schutzengel [4] von Nikki de Saint Phalle, der 2002 verstorbenen Künstlerin aus Paris. Dieser Engel soll die Reisenden beschützen und ich habe den Eindruck, dass er das auch tut. Mit seinen runden Formen und den bunten Farben macht er einfach gute Laune.

Aber natürlich gibt es sehr viel mehr in diesem Bahnhof zu entdecken. Es gibt dort sehr viele Geschäfte, Restaurants und Cafés. Sie können dort Blumen kaufen und Kleider oder Bücher, Zeitungen und Medikamente. Und vor allem: die Geschäfte sind auch am Sonntag geöffnet. Das bedeutet, dass die Zürcher z.B. die Bratwurst und die Kartoffeln und die Kuchen, die Sie vergessen haben, dort am Sonntag einkaufen können. Ich bin auch vor den Bahnhof gegangen und habe mir die prachtvolle [5] Fassade aus Sandstein mit dem grossen Torbogen angeschaut. Den Baustil [6] dieses Gebäudes nennt man, so glaube ich, Neorenaissance. Seit einigen Jahren gibt es auch einen unterirdischen Bahnhof, der ist so gross, dass man sich darin verlaufen kann. Nach meiner kleinen Besichtigungstour habe ich mich in ein Café gesetzt und den Leuten zugeschaut, die vorbei gegangen sind. Menschen jeder Haut- und Haarfarbe, jung und alt, dick und dünn, gross und klein. Wenn Sie einmal Zeit haben und in Zürich sind, dann trinken Sie in der Bahnhofshalle einen Tee und schauen Sie einfach zu. Ich garantiere Ihnen, der Bahnhof ist wie eine Bühne [7] und Sie sind der Zuschauer im Theater. Viel Spass!

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Sie erinnern sich an die Geschichte über meinen Umzug in eine kleinere Wohnung? Ich habe ja viele Wochen damit verbracht mich einzurichten und musste dabei realisieren, wie wenig Platz ich für Gäste habe. An meinen Esstisch passen vier Personen oder vielleicht auch fünf - aber nicht mehr. Und zum gemütlichen Sitzen und Plaudern habe ich nur zwei kleine Sofas. Was also sollte ich tun, wenn ich trotzdem mit ungefähr 10 Personen eine kleine Einweihungs-Party feiern wollte? Da waren dann Ideen gefragt. Eine Freundin meinte dann, ich solle doch eine kleine Waldhütte für das Fest mieten. Kennen Sie Waldhütten? Wissen Sie, wie man so etwas findet? Schon alleine die Vorstellung, alle Esswaren und Getränke, Geschirr [8] und Gläser irgendwo hinzufahren und auch wieder weg zu räumen, machte mir Angst. Nach langen Diskussionen mit vielen verschiedenen Leuten, von denen jeder einen anderen Vorschlag machte, hatte der Sohn einer Freundin die Idee, doch in einem Bauernhof zu feiern, der auch kleine Säle vermietet. Das fand ich dann richtig gut und habe den jungen Mann gebeten, doch alles zu organisieren. Bei dem Patron [9] der "Ferme du Soliat" am oberen Felskessel des Creux du Van hat er das Essen bestellt. Dann hat er sogar die Einladungen geschrieben, auf denen der Weg ab Neuenburg eingezeichnet war. Auf diesen Einladungen hat er auch vermerkt, dass an jeder Kreuzung ab Couvet ein roter Luftballon an einem Strassenschild [10] hängen würde, damit wir alle auch den Weg finden.

Der Tag unseres Ausflugs in den Neuenburger Jura kam heran. Das Wetter war wunderbar. Wir alle kannten den Weg bis nach Couvet und sind mit unseren Autos losgefahren. In Couvet war noch alles in Ordnung. Der erste, rote Luftballon zeigte die Richtung in die Rue Saint-Gervais, der zweite dann in Richtung Les Ruillères, der dritte nach Liéchoux. Von da aus immer geradeaus. Das dachten wir. Sie wissen bereits, was kommt, nicht wahr? Wir haben uns alle verfahren [11], sind eine halbe Stunde im Kreis herum geirrt für eine Strecke von 13 Kilometern. Was war passiert? Der vierte Luftballon in Richtung Riaux-Grand Pré war einfach vom Wind weg geweht [12] worden. Nun, unser Ausflug in die wilde Natur des Jura war trotzdem ein Erfolg und es war sehr gemütlich in dem Bauernhof. Sie wollen wissen, was wir gegessen haben? Natürlich ein Schweizer Nationalgericht, das einfach immer und überall schmeckt: Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti und Salat. Zum Dessert gab es frische Erdbeeren mit kleinen Meringueschalen [13] und Rahm. Nach dem Essen sind wir an den Rand dieses riesigen Felsmassivs [14] spaziert, das vor vielen Millionen Jahren entstanden ist. Und wenn Sie einmal Ihre freie Zeit mit Freunden im Jura verbringen wollen, ein Ausflug dorthin lohnt sich bestimmt. Übrigens, Sie können auch von Noiraigue zum Creux du Van wandern, anstatt das Auto zu nehmen.

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Jetzt geht es weiter mit einer kleinen Sternstunde. Das letzte Mal habe ich Ihnen etwas über die Erdzeichen, im Besonderen über den Stier erzählt. Sie erinnern sich doch? Nun, dann wissen Sie ja auch noch, dass sich die Sternzeichen in Luft, Wasser, Erde und Feuer aufteilen. Auch wenn diese Zeichen alle sehr unterschiedlich sind, so haben die Zeichen in einer Gruppe doch sehr viel gemeinsam. Steinbock, Stier und Jungfrau sind bodenständige Menschen. Widder, Löwe und Schütze haben etwas Feuriges an sich, sind sehr temperamentvoll. Wassermann, Zwilling und Waage sind immer einen Schritt voraus, sozusagen in der Luft. 

Heute ist also ein Wasserzeichen an der Reihe, weil die Sonne jetzt im Zeichen des Krebses steht. Der Krebs hat mit seinen Kollegen, den Fischen und den Skorpionen einige Ähnlichkeiten [15]. Denken Sie schon einmal darüber nach, wer in Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis zu den Wasserzeichen gehört. Vielleicht sogar Sie selbst? Das wäre richtig spannend. Fische, Krebse und Skorpione sind vorsichtige Menschen. Sie sind sogar etwas geheimnisvoll. Und alle drei haben eine ganz besondere Gabe: sie können sich in einen anderen Menschen hinein versetzen. Sie spüren intuitiv [16], was ihr Gegenüber [17] denkt. Fast unheimlich, könnte man meinen. Alle drei Zeichen sind sehr liebenswürdig, aber der Krebs ganz besonders. Er hat ein zartes, empfindliches [18] Wesen, dass er oft hinter seiner rauen Schale versteckt. Er verfügt auch über ein phänomenales [19] Gedächtnis und erinnert sich an Jahreszahlen aus der Geschichte, die andere Leute längst vergessen haben. Er ist intelligent, er ist klug, er ist warmherzig, er ist sehr charmant - aber er hat doch einen kleinen Nachteil. Der Krebs liebt keine schnellen Entscheidungen [20], weil er nicht spontan sein kann. Da ist er wie das Tier in der Natur: zwei Schritte vor und einen zurück. Nun, hat Ihnen diese kleine Sternstunde gefallen? Wenn Sie mehr wissen wollen, so können Sie mir gerne schreiben. 

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Oder haben Sie Lust, mir zu erzählen, wie Sie Ihre Freizeit verbringen und ob Sie kleine Ausflüge unternehmen? Dann schreiben Sie mir doch darüber auf unserer Webseite. Auch sonst freue ich mich auf Ihre Bemerkungen unter www.podclub.ch. Beim nächsten Mal, am 3. Juli, gibt es wieder ein paar Geschichten, die Ihnen hoffentlich Freude machen werden. Bis dann grüsst Sie, wo immer Sie auch sind, Ihre Dagmar.




[1] die Freizeit: der Feierabend, die Pause
[2] der Stau: die Autoschlange, der Verkehrsstau
[3] die Hetzerei: die Eile, die Hast
[4] der Schutzengel: die Schutzheilige, der Schutzpatron
[5] prachtvoll: grandios, imposant
[6] der Baustil: die Stilrichtung der Baukunst
[7] die Bühne: die Szene, das Podium, die Arena
[8] das Geschirr: das Porzellan
[9] der Patron: der Chef, der Besitzer
[10] das Strassenschild: der Wegweiser
[11] verfahren: sich verirren, nicht finden
[12] weg wehen: davon fliegen
[13] die Meringue: das Eiweissgebäck
[14] das Felsmassiv: die Gebirgskette
[15] die Ähnlichkeit: die Übereinstimmung, die Gemeinsamkeit
[16] intuitiv: instinktiv
[17] das Gegenüber: der Gesprächspartner
[18] empfindlich: feinfühlig
[19] phänomenal: aussergewöhnlich, erstaunlich
[20] die Entscheidung: der Entschluss

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Test 15-07-2009 00:12
Hallo Dagmar Ich wohne in Zürich. Das vom Bahnhof war sehr schön. Aber hier heisst die Strassenbahn anders: das Tram. Auch in Bern sagt man das Tram und auch in Basel. In Genf und bei Ihnen in Neuenburg sowieso, einfach auf französisch. In der Schweiz habe ich noch nie Strassenbahn gehört. Nur im Trammuseum. Dort steht es auf den alten Wagen von 1900. Aber so alt sind Sie wohl nicht, Ihre Stimme tönt ein bisschen jugendlich.
Samuel Rosset 20-06-2009 12:17
Liebe Dagmar, Danke für Ihre Podcasten. Sie sind sehr Interressant and sehr nützlich für mich. Ich habe viele Jahre in Neuchâtel gewohnt, aber ich bin in Dezember in die Ostschweiz umgezogen und jetzt muss ich Deutsch verstehen und sprechen!