Zu Gast bei Dagmar 11: Telefonate, Gedenk- und Feiertage, Besuch in Gruyères (2. Oktober 2009)


Hallo und guten Tag. Heute ist der 2. Oktober und ich begrüsse Sie bei "Zu Gast bei Dagmar". Seit Mitte September ist es eindeutig kühler. Am Morgen ziehen Nebelfelder über Dörfer und Städte, es windet viel und die Sonne zeigt sich nicht mehr so häufig. Langsam wird es Herbst. Da muss man jede Gelegenheit nutzen, um von einer guten Wetterlage zu profitieren [1]. Am letzten Wochenende hat sich noch einmal die Sonne gezeigt und ich habe mich ganz spontan [2] in mein Auto gesetzt und bin einfach losgefahren. Von meinem kleinen Ausflug nach Gruyères also später. Dann erzähle ich Ihnen etwas über Gedenktage, die mich in meiner Jugendzeit beeindruckt [3] haben und über verschiedene Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Telefon. Am besten fangen wir gleich damit an.


Seit Wochen werde ich von morgens bis abends - auch samstags und sonntags regelrecht [4] belagert, verfolgt, belästigt [5] mit Telefonanrufen von Unbekannt. Seitdem ich von der Polizei weiss, dass die Kosten für diese Anrufe, wenn man sie annimmt, reversibel [6] sein können, reagiere [7] ich nicht mehr. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wenn Sie auf dem Display von Ihrem Telefon keine Nummer sehen, sondern da "Unbekannt" steht, dann nehmen Sie bitte das Telefon nicht ab, denn die Kosten für ein Gespräch können Ihnen belastet werden. Nicht alle Unternehmen handeln so. Aber trotzdem sollten Sie Ihre Familie oder Freunde bitten, ihre Nummern nicht zu unterdrücken. Mir und selbstverständlich auch der Polizei ist es unverständlich, dass die grossen Telefonunternehmen so etwas gestatten. Andererseits bringt es Geld. Egal von wem.

Eine Zeit lang habe ich natürlich geantwortet, da ich dachte, es sei jemand, den ich kenne. Aber nein, es waren immer Werbeanrufe. Für Wein aus Frankreich, für eine Krankenkasse, die mir einen günstigen Vertrag verkaufen wollte oder für ein Kosmetikinstitut, das mir biologische Crèmes anbieten wollte. Neuerdings macht sich aber irgendjemand [8] einen Sport daraus, mich zu ärgern. Und tatsächlich, ich ärgere mich auch. Gerade in diesem Moment, da ich diesen Text schreibe, klingelt das Telefon. Schnell speichere ich diese Zeilen am Computer, stehe auf und laufe zum Telefon - ich erwarte nämlich den Anruf einer Freundin - und was sehe ich: Unbekannt. Es ist Samstagmittag 11Uhr 50. Na, super! Da kommt Freude auf.

Überhaupt ist heute wieder einer dieser Tage, an denen einem nichts gelingt. Kennen Sie das Gefühl? Sie haben sich zum Beispiel vorgenommen, heute alle privaten Anrufe zu erledigen. Allerdings leicht unangenehme Anrufe. Dazu muss man aber in der richtigen Gemütsverfassung [9] sein. Heute ist das zum Glück so. Ich fühle mich mutig, weil die Sonne scheint und ich ausgeschlafen bin. Dann mal los. Von einer Freundin bekomme ich noch Geld, immerhin zweihundert Franken. Ich habe sie dreimal auf ihrem Natel angerufen und zweimal auf ihrem Festnetztelefon. Keine Antwort, auch keine Combox. Da ist es natürlich ein Nachteil, wenn die eigene Telefonnummer nicht unterdrückt ist. So wird einfach nicht geantwortet. Nun, jetzt habe ich ihr ein SMS geschickt. Das wird sie irgendwann lesen müssen. Aber ich hätte mein Geld eigentlich gerne heute einkassiert [10]. Die andere Freundin, die ich erreichen wollte, hat das Telefon auch nicht abgenommen. Auch hier habe ich es dreimal versucht. Wahrscheinlich ist sie sauer [11], weil ich mich die ganze Woche über nicht gemeldet habe. Die dritte Freundin hat heute gar keine Zeit für mich, weil sie nächste Woche für fünf Wochen in die Ferien fährt. Dabei wollte sie mir doch unbedingt [12] eben für diese Ferien eine Menge Kleider einer ganz bestimmten Marke abkaufen. So hat sie es mir jedenfalls gesagt. Aber wahrscheinlich hat sie gehofft, ich würde ihr die Sachen schenken. Und wissen Sie was? Jetzt bin ich total frustriert [13] und lasse das Telefon links liegen. Dabei hat der Tag eigentlich ganz gut begonnen.

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Im Oktober gibt es eine Menge Gedenktage [14]. Wie eigentlich in jedem Monat. Wenn man sich für all diese Tage interessieren oder vielleicht sogar an öffentlichen Anlässen oder Paraden teilnehmen würde, hätte man viel zu tun. Ein schöner Gedenktag ist für mich das Erntedankfest, das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Dann natürlich auch der Weltspartag am letzten Arbeitstag im Oktober. Dazwischen gibt es den Tag der Eier-Produzenten (ja, Sie hören und lesen richtig) und viele andere, unsinnige Gedenktage. Andere Länder haben auch ihre Gedenktage. So zum Beispiel Amerika. Dort konnte ich den Columbus-Day einmal mitfeiern. Aber davon später.

Eine der schönsten Erinnerungen meiner Kinder- und Jugendzeit ist das Erntedankfest. Das Wort Erntedankfest sagt uns, um was es sich handelt. Im Herbst, nach der Ernte, heisst es Dank zu sagen für die Früchte und das Getreide, die uns von der Natur und von der Schöpfung gegeben werden. In vielen Gemeinden wurden früher die Kirchen aber auch die Häuser und Strassen mit Gemüse und Früchten und gebundenen Ähren [15] geschmückt. Die Feste zu diesem Erntedank sind immer besonders feierlich [16]: die Mitglieder einer Gemeinde versammeln sich zahlreich in den Kirchen und danken Gott für die Ernte. In Amerika heisst dieser Tag übrigens "Thanksgiving", und dort ist es Tradition, dass die Familien einen Truthahn verzehren [17].

Ein anderer Festtag, auf den ich mich als Kind besonders gefreut hatte, war der Weltspartag. Denn an einem dieser Tage bekam ich mein erstes Sparbuch bei einer Bank. Das war für mich natürlich schon etwas Spezielles. Und für viele andere Kinder auch. An diesem Tag sah man viele Eltern mit ihren Kindern auf dem Weg zu einer Bank. Dort mussten wir lange warten, bis wir an der Reihe waren. Dann, endlich, bekam ich ein kleines Büchlein mit meinem Namen ausgehändigt [18], in dem der Geldbetrag eingetragen war, den meine Eltern mir geschenkt hatten. Ein Sparbuch war etwas ganz anderes als das wöchentliche Taschengeld. Das Taschengeld verschwand immer schnell, weil es in Bonbons und Schoggi angelegt wurde. Das Sparbuch aber ist geblieben und wurde bei jedem Geburtstag oder an Weihnachten, etwas voller.

Ein ganz anderer Gedenktag ist der Columbus-Day in Amerika, weil er mit einer grossen Parade vor allem in New York gefeiert wird. Der 12. Oktober 1492 wird als Tag der Landung des Seefahrers Christopher Kolumbus in Amerika gefeiert. Vor einigen Jahren konnte ich miterleben, wie dieser Tag dort gefeiert wird. Ich kam nämlich nach einem längeren Bummel durch ein bekanntes Kaufhaus auf die 5th Avenue und wurde total überrascht. Grosse mit Blumen geschmückte Wagen, Menschen in bunten Kostümen, Feuerwehrautos, Polizisten auf Pferden, alte Maschinen und Uniformen zogen an mir in einer stundenlangen Parade vorüber. Konfetti flog durch die Luft und Music-Bands spielten Marschmusik. Plötzlich realisierte ich, dass die Leute um mich herum alle Italienisch sprachen. Zuerst war ich verblüfft, bis ich dann einen der Zuschauer fragte, um welche Parade es sich denn handeln würde. Als ich die Antwort bekam, wurde mir klar warum, denn schliesslich Kolumbus war Italiener. 

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Kennen Sie Gruyères, das Städtchen im Kanton Fribourg, das hoch oben auf einem kleinen Berg thront [19]? Meine Reise dorthin über Murten und Fribourg hat sich etwas schwierig gestaltet, obwohl ich vor einigen Jahren und natürlich in meiner Jugendzeit dort gewesen bin.

Auf der Autobahn habe ich die Ausfahrt "Lac de Gruyère" gewählt [20], in der Annahme, dass das Städtchen gleich nach dem See zu finden sei. Das war aber nicht der Fall. Also fuhr ich weiter und weiter. Erst als ich durch Bulle gefahren bin, habe ich Wegweiser nach "Gruyères" gefunden. Und was ist mir dabei aufgefallen? Dass Gruyère die Region ist, "Gruyères" mit einem "s" am Ende aber der Ort, den ich suchte. Diesen Unterschied hatte ich total vergessen. Ich erzähle Ihnen das, damit Sie nicht den gleichen Fehler machen wie ich.

Endlich angekommen, habe ich meinen Wagen am Fuss des Hügels parkiert und bin dann in das Städtchen gewandert. Zuerst bin ich zu dem Schloss gelaufen, das aus dem 13. Jahrhundert stammt. Der Rundblick von den Türmen des Schlosses auf die hügelige Landschaft ist ein Erlebnis - vor allem natürlich bei schönem Wetter. Auf dem Rückweg habe ich dann das Giger-Museum besucht, das sich seit 1998 in einem 400 Jahre alten Schloss befindet. H.R. Giger ist ein Künstler, der für seine fantastischen Skulpturen und Figuren den berühmten Oscar in Hollywood erhalten hat. Das war im Jahr 1979, und der Science-Fiction Film hiess "Alien". Sie können die metallischen, fremden Wesen, die wie aus einer anderen Welt kommen, in dem Museum bestaunen. Aber ich muss Sie vorwarnen: manche der Figuren sind einfach unheimlich.

Nach dem Museums-Besuch bin ich einige Zeit durch das Städtchen gebummelt, habe Gruyère-Rahm und kleine Meringueschalen gekauft. Gruyère ist berühmt [21] für seinen doppelten Rahm, der mit frischen Erdbeeren und Meringue gegessen wird. Danach bin ich dann nach Hause gefahren und habe am Abend genüsslich mein Dessert verzehrt. Wirklich eine Köstlichkeit.

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So, das war's wieder für heute. Wie immer  freue ich mich auf Ihre Kommentare unter www.podclub.ch und hoffe, dass Sie am 16. Oktober wieder dabei sind, wenn ich über ganz spezielle Musikinstrumente und einen Zahnarztbesuch berichte. Bis dann grüsst Sie, wo immer Sie auch sind, Ihre Dagmar .




[1] profitieren: ausnützen, Gewinn erzielen
[2] spontan: rasch, impulsiv
[3] beeindrucken: auffallen, imponieren
[4] regelrecht: förmlich, geradezu
[5] belästigen: plagen, behelligen
[6] reversibel: umkehrbar
[7] reagieren: antworten
[8] irgendjemand: eine fremde Person
[9] die Gemütsverfassung: die Stimmung
[10] einkassieren: einnehmen, einfordern
[11] sauer sein: Umgangssprache für "keine Lust haben"
[12] unbedingt: sicher, absolut, bestimmt
[13] frustriert: enttäuscht, verärgert
[14] der Gedenktag: der Jahrestag, das Jubiläum
[15] die Ähre: der Getreidestiel (z.b. Weizenähre, Gerstenähre usw.)
[16] feierlich: festlich, würdig
[17] verzehren: essen, verspeisen
[18] aushändigen: erhalten, bekommen
[19] thronen: sitzen
[20] wählen: aussuchen
[21] berühmt: bekannt, beliebt