Zu Gast bei Dagmar 16: Zugfahren, Shopping und Weihnachtsbräuche (11. Dezember 2009)


Hallo und guten Tag. Heute ist der 11. Dezember und ich begrüsse Sie herzlich zu meinem Podcast "Zu Gast bei Dagmar". Der heutige Podcast wird Ihnen präsentiert von Allianz Suisse. Ihr Partner für Versicherung und Vorsorge von A-Z.


Bevor ich mit den Themen für heute beginne, möchte ich Ihnen doch noch schnell erzählen, dass ich vor einer Woche wieder einmal im Kino war. Ich habe die zweite Folge der Twilight-Serie gesehen. Es waren nur junge Leute im Kino, aber ich habe mich damit getröstet, dass ich im Herzen auch jung geblieben bin. Wenn Sie die neuen Vampir-Geschichten interessieren, nehmen Sie sich die Zeit für dieses moderne Märchen.

Also, heute geht es zuerst um das Zugfahren und meinen Frust [1] mit der SBB, danach gehen wir wieder einmal einkaufen und zum Schluss gibt es noch einen Beitrag über Weihnachten. Viel Spass beim Zuhören.

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Sie erinnern sich bestimmt, dass ich Ihnen einmal erzählt habe, dass ich für die Aufnahmen dieser Texte alle zwei Wochen mit dem Zug von Neuchâtel nach Zürich fahre. Auch über den Bahnhof Zürich habe ich schon eingehend berichtet. Warum also noch einmal ein ähnliches Thema? Ganz einfach. Ich bin unzufrieden mit der SBB und den öffentlichen Transportsystemen. Ich gebe ja zu, dass wir in der Schweiz über Jahre hinweg von der SBB verwöhnt [2] worden sind. Diese Präzision [3], diese Sauberkeit. In der letzten Zeit hat sich leider vieles geändert. Ich gebe Ihnen mal einige Beispiele. Neulich habe ich eine Freundin in St. Gallen besucht. Auf der Rückfahrt verkündete der Lautsprecher die Einfahrt in den Bahnhof Zürich-Flughafen. Ich habe interessiert aus dem Fenster geschaut und was geschah? Der Zug brauste einfach vorbei. Mehrere Passagiere standen schon im Gang und vor den Türen, schwer bepackt mit Koffern und Reisetaschen und warteten darauf, dass der Zug anhalten würde. Das tat er jedoch nicht, sondern er fuhr einfach weiter. Kurz darauf ertönte eine Stimme aus dem Lautsprecher und erklärte, dass der Zug am nächsten Bahnhof anhalten würde und die Passagiere eben die eine Station zurückfahren müssten. Ich habe mich in die Lage der armen Leute versetzt, die bestimmt Angst hatten, ihr Flugzeug nicht mehr zu erreichen. Nun, dieser Umweg hat nicht mehr als 20 Minuten Zeit gekostet, trotzdem war die Situation aber sehr ärgerlich.

In den letzten Monaten habe ich immer wieder am Radio oder im Fernsehen gehört, dass auf vielen Strecken Probleme mit den Stellwerken aufgetreten sind, und oft mussten die Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit waren, mehrere Stunden Wartezeit in Kauf nehmen.

Ein anderes Beispiel: die Stadt Neuchâtel ist seit 2001 stolz auf ihre neueste Standseilbahn, der Fun'ambule oder kurz Funi genannt. Diese Seilbahn verbindet auf einer Länge von 350 Metern die untere Stadt bei der Universität mit dem Bahnhof im oberen Teil. Wenn Sie Neuchâtel kennen, dann wissen Sie, dass der Weg den Berg hinauf steil ansteigt und ziemlich mühsam ist. Daher war die Freude gross, als das Funi endlich in Betrieb genommen wurde. Schüler, Studenten, Geschäftsleute und Reisende haben erleichtert aufgeatmet, als diese Verbindung endlich zu Stande kam [4] und man nicht mehr den Umweg zu Fuss und mit dem Bus über die Innenstadt nehmen musste. Das Ganze hat nur leider einen Haken. Die Seilbahn fährt nicht während der Schulferien. Die Seilbahn hat auch sonst Probleme, sie muss sehr oft gewartet [5] werden und fährt dann nicht. Wie oft habe ich schon - entweder oben am Bahnhof oder unten in der Stadt - umsonst [6] darauf gehofft, dass das Funi fährt.

Etwas vom Lästigsten aber sind die immer voller werdenden Züge. Nehmen Sie zum Beispiel den Zug von Zürich nach Neuchâtel. Ich weiss, dass der Zug in Zürich immer etwa 8 Minuten vor der Abfahrt im Hauptbahnhof einfährt; und damit ich sicher einen Platz kriege, bin ich deshalb immer mindestens diese 8 Minuten vor der Abfahrt auf dem Perron. Leider wissen das auch andere Leute. Denn sobald der Zug einfährt, beginnt schon der Kampf um die Sitzplätze. Wer also eine oder zwei Minuten vor Abfahrt kommt, hat Pech [7] gehabt. Er oder sie findet keinen angenehmen Sitzplatz mehr. Alle Wagen sind bereits überfüllt und inmitten all der Taschen und Koffer müssen Sie sich ganz klein machen und Ihre Einkäufe auf den Knien balancieren. Von der Sauberkeit wollen wir gar nicht reden. Schade, ich war früher so stolz auf die SBB.

Und zum Schluss noch ein Beispiel, das aber nichts mit der Pünktlichkeit der Züge zu tun hat, sondern vielmehr mit der Sprache an sich: wissen Sie, was ein Durchmesser ist? Ich erinnere mich aus der Schulzeit, dass dies mit der Berechnung eines Kreises zu tun hat. Was aber hat das mit einem oder mehreren Tunnels zu tun? Da baut die SBB einen Tunnel von Altstetten nach Oerlikon und kündigt das auf grossen Plakaten als "Durchmesserlinie" an. Ich zerbreche mir seit Monaten den Kopf, was das heissen soll und verstehe dieses Wort im Zusammenhang mit einem Tunnel einfach nicht. Haben Sie eine Erklärung dafür?

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Und jetzt gehen wir einkaufen. Schon wieder, werden Sie sagen? Nun, dieses Mal geht es nicht um die Erweiterung des Kleiderschranks und um Modefarben - nein, heute geht es um den Einkauf von Geschenken. Shoppingvergnügen pur! Ach, Sie finden, dass Shopping Stress bedeutet, weil Sie keine Ahnung haben, was Sie Frau, Mann und Kindern, Freunden und Bekannten schenken sollen?
Nehmen Sie sich einfach einen Tag Zeit und schauen sich in den Geschäften und Kaufhäusern in Ruhe um. Es gibt zu keiner Jahreszeit soviel Auswahl wie im November und Dezember. Klar, die Geschäfte wollen Umsatz machen, aber wir als Kunden profitieren [8] davon. Denn die Auswahl ist riesengross. In den Buchläden gibt es die neuesten Buchtitel, in den Parfümerien die tollsten Parfums, in den Spielwarenabteilungen die letzten Neuigkeiten.

Also dann, begleiten Sie mich auf meiner Shopping-Tour. Ein wichtiger Tipp für den Bummel: zuerst schauen und Preise vergleichen, dann Ihr Budget überprüfen und später kaufen. Vielleicht lassen Sie sich inspirieren [9]. Als Mutter und Grossmutter denke ich zuerst an meine Kinder und Enkelkinder, dann an die restliche Familie und dann an die Freunde. Für die Kleinsten hatte ich mir Playmobil und Lego vorgestellt, für die Grossen Bücher und etwas zum Verwöhnen für das Badezimmer. Die Preise für die Spielzeuge waren allerdings sehr hoch, daher musste ich umdenken. Anstatt für fünf Personen einzeln etwas zu kaufen, habe ich für alle zusammen etwas gefunden und zwar einen DVD-Player, den sie sich schon lange gewünscht haben. Dazu noch ein paar DVD's von "Wickie und die starken Männer". Meine Mama bekommt eine neue Teekanne mit einer Auswahl englischer Teesorten, Freundin Nummer 1 eine Riesenseife in Herzform, Freundin Nummer 2 einen grossen Briefbeschwerer aus Glas in Form eines Diamanten und Freundin Nummer 3 ein Set mit indischen Gewürzen. Und damit die Geschenke doch noch eine persönliche Note bekommen, habe ich durchsichtige Cellophantüten und schöne Bänder gekauft. Was ich damit mache? Jetzt fange ich an, verschiedene Arten von Guetzlis zu backen, verteile sie in die kleinen Tüten und binde sie mit roten, rosa und blauen Schleifen zu. Übrigens, an mich selbst habe ich auch gedacht. Zu Weihnachten überrasche ich mich mit dem spannenden neuen Buch von Dan Brown und endlich mit einem Käsemesser-Set von Laguiole. Es ist ja nur einmal Weihnachten im Jahr!

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Nun aber zu unserem letzten Thema für heute: Weihnachtsbräuche. Weihnachten ist das Fest der Geburt von Jesus Christus und beginnt am 24. Dezember, dem heiligen Abend und dauert bis am 25. Dezember. Weihnachten wird von den orthodoxen, katholischen und evangelischen (in der Schweiz reformierten) Kirchen gefeiert. Wissen Sie, woher der Name "Weihnachten" kommt? Anscheinend gibt es da mehrere Versionen [10], wie so oft in den geschichtlichen Überlieferungen. Eine gefällt mir ganz besonders - ob sie nun stimmt oder nicht, sei dahin gestellt: Martin Luther, der Reformator, wollte aus irgendeinem Grund von dem Fest des heiligen Nikolaus ablenken und schuf das Wort "Wygenachten". "Wygen" heisst sinngemäss "das Kindlein wiegen" - und er meinte damit das Christuskind. Die Geburt Jesu sollte als Geschenk an die Menschheit verstanden werden und diese Freude drückt sich seitdem darin aus, dass sich die Menschen gegenseitig beschenken. Das Symbol [11] für das Weihnachtsfest ist der mit Lichtern geschmückte Weihnachtsbaum - obwohl es ihn erst seit ungefähr 400 Jahren gibt. Trotzdem, was ist schöner als ein Tannenbaum, der mit bunten Kugeln, Kerzen und allerlei Figuren und Bändern versehen, in der Adventszeit in unseren Wohnzimmern steht?

Vielleicht haben einige von uns den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes vergessen oder in den Hintergrund geschoben. Es ist jedoch eine Tatsache, dass es ein wunderschöner Brauch ist, sich gegenseitig zu beschenken. Vor allem für die Kinder. Als meine Kinder noch klein waren, wurden Sie mit einer Tante oder Freundin am späten Nachmittag des 24. Dezember auf einen Spaziergang geschickt. In der Zwischenzeit wurde der Baum geschmückt, die schön verpackten Geschenke unter den Baum gelegt, die Kerzen angezündet, eine Weihnachtsmelodie auf den Plattenteller gelegt (heute wäre es eine CD oder DVD) und dann die Rückkehr der Kinder erwartet. Die Geschenke kamen natürlich alle von dem Christkind. So haben wir es jedenfalls unseren Kindern erzählt. In Frankreich ist das anders - da kommt der Père Noël. In England kommt Father Christmas, der die Geschenke bringt, in Amerika ist es Santa Claus, in Spanien kommen die Heiligen drei Könige, allerdings erst am 5. Januar. Aber bestimmt erzählen Ihnen meine Kolleginnen und Kollegen aus Spanien, Italien, Frankreich und England mehr darüber. Aber egal, wie Sie die Weihnachtsfeiertage verbringen: ob mit dem Christkind oder mit dem Nikolaus - ich wünsche Ihnen allen wunderbare, harmonische Festtage und ein gesundes und glückliches Neues Jahr.

Dies war die letzte Sendung in diesem Jahr. Vielleicht haben Sie während der Feiertage Lust und Musse [12] noch einmal die anderen Podcasts zu hören und zu lesen. Darüber würde ich mich sehr freuen und erwarte mit Spannung Ihre Meinung unter www.podclub.ch. Also, vielleicht bis im nächsten Jahr! Bis dann grüsst Sie, wo immer Sie auch sind, Ihre Dagmar.




[1] der Frust: die Unzufriedenheit, der Ärger
[2] verwöhnen: verhätscheln, jeden Wunsch erfüllen
[3] die Präzision: die Gründlichkeit, die Zuverlässigkeit
[4] zu Stande kommen: sich ergeben, sich entwickeln
[5] warten: hier: überprüfen, reparieren
[6] umsonst: vergebens, erfolglos
[7] Pech haben: Misserfolg haben
[8] profitieren: gewinnen
[9] inspirieren: anregen
[10] die Version: die Auffassung, die Interpretation
[11] das Symbol: das Sinnbild
[12] die Musse: die Ruhe finden, die Zeit finden